Steffen Kopetzky in Rabat, Hans Pleschinski in Amman, Ulla Lenze in Damaskus, Norman Ohler in Ramallah, José Oliver in Kairo und Silke Scheuermann in Beirut – dies sind die sechs deutschen Stadtschreiber, die von Mai bis Oktober literarische Porträts über das Leben in den Großstädten des arabischen Raums schreiben werden. Im Gegenzug reisen ab August sechs arabische Schriftsteller nach Stuttgart, München, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin, um das Leben in Deutschland zu skizzieren. Die Städteporträts werden in deutscher und arabischer Sprache unter goethe.de/midad präsentiert. Das Projekt „Stadtschreiber“ wird von den Goethe-Instituten der Region Nahost/Nordafrika und dem Netzwerk der Literaturhäuser durchgeführt. Es ist Bestandteil des deutsch-arabischen Internet-Literaturforums MIDAD, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Die arabischen Stadtschreiber
Mohammad Al-Ameri, Dichter und Künstler, wurde 1959 in Ghazawiyya, Jordanien, geboren und lebt derzeit in Amman. Al-Ameri studierte Politikwissenschaften an der Libanesischen Universität in Beirut und Arabische Literatur an der Jordanischen Universität in Amman. Das vielleicht wichtigste Werk Al-Ameris ist der Gedichtband „qamīs al-hadīqa“ (dt. „Gartenhemd“), 2004, seine vierte Gedichtsammlung nach „mi`rağ al-qalaq“ (dt. „Sorgentreppe“), 1990, „bait al-rīš“ (dt. „Federnhaus“), 1999 und „khasārat al-kā`in“ (dt. „Verluste des Seins“), 1995, für welchen ihm der „ Afdal diwan shi`r `arabi“-Preis (dt. „Beste arabische Gedichtsammlung“) der Jordanischen Schriftstellervereinigung verliehen wurde. Al-Ameri behandelt vorzugsweise elementare Themen wie „Freiheit“, „Natur“, „Land“, „Kindheit“, „Mütterlichkeit“ und „Weiblichkeit“. Diese Themen verarbeitet er sowohl in seiner Poesie als auch in seiner darstellenden Kunst, die Al-Ameri als zwei verschiedene künstlerische Ausdrucksformen bewußt miteinander in Beziehung setzt.
Latifa Baqa wurde 1964 geboren und arbeitet als Existenzgründungs-Beraterin in Agadir, Marokko. Baqa studierte Moderne Literatur und Soziologie. 1992 erschien ihre erste Anthologie „ma-lladhi naf´aluhū?“ (dt. „Was tun?“), wofür sie vom marokkanischen Schriftstellerverband den Preis für junge Schriftsteller erhalten hat. Ihre zweite Geschichtensammlung „min dhaffat hayyāt ukhrā“ (dt. „Vom Ufer eines anderen Lebens“) ist in Vorbereitung und wird demnächst veröffentlicht. Darüber hinaus publizierte Baqa einige Geschichten in marokkanischen sowie arabischen Zeitungen und Zeitschriften. Die Sprache Latifa Baqas ist einfach und direkt, so dass der Handlungsverlauf klar erkennbar ist. Damit steht sie im Gegensatz zu anderen marokkanischen Autoren, die sich einem komplexen literarischen Stil verpflichtet fühlen. Sie schreibt vorwiegend über das Alltägliche – über Menschen, Situationen und Ereignisse – aus verschiedenen Perspektiven des Lebens.
Najwa Barakat wurde 1960 in Beirut geboren,
studierte Bildende Kunst an der Libanon Universität und
an der Filmhochschule in Frankreich. 1985 emigrierte sie nach
Frankreich, wo sie heute lebt. Barakat arbeitet als freie
Journalistin für etliche arabische Zeitschriften und
Zeitungen. Zudem recherchierte sie für eine Reihe von
Kultursendungen für das internationale französische
Radioprogramm sowie die BBC und stellte Material für
die Kultursendung „Termin im Ausland“ von Al-Jazeera
zusammen. Bislang veröffentlichte sie etliche Romane.
Für ihren Roman „Bās al-awādim“
(dt. „Der Bus der anständigen Leute“) wurde
ihr 1996 vom libanesischen Kulturforum der Preis „Bestes
neues literarisches Werk“ verliehen.
Ibrahim Farghali, geboren 1967 in Mansura, Ägypten, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Mansura Universität. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Farghali als Journalist für die Kulturseiten der Zeitung al-Ahram in Kairo. Farghali veröffentlichte einen Roman und mehrere Anthologien, unter anderem „ ašbāh al-hawāss“ (dt. „ Die Geister der Gefühle“), 2001, welche in den Kairoer Literaturkreisen für Aufsehen sorgte. Die Erzählungen in „ ašbāh al-hawāss“ handeln von der Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau, die als eine geistige und körperliche Erfahrung beschrieben wird, wobei es dem Autor vor allem um die Aufdeckung verborgener Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern geht. In seinem neuesten Werk, dem Roman „ ibtisāmāt al-qiddīsīn“ (dt. „ Das Lächeln der Heiligen“), 2004, behandelt Farghali die Beziehung zwischen Kopten und Muslimen in Ägypten. Dies geschieht in einem zum Teil unwirklichen Licht, wodurch er neue Perspektiven auf die christlich-muslimische Auseinandersetzung wirft.
Osama Esber wurde 1963 an der syrischen Mittelmeerküste
geboren. Er studierte englische Literatur in Latakia und Damaskus.
Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet
Isber als freier Übersetzer von literarischen Werken
sowie von politischen und philosophischen Fachbüchern.
Zudem ist er für zahlreiche Zeitungen und für Radio
Damaskus als Journalist und Kunstkritiker tätig. Bereits
während seiner Schulzeit veröffentlichte Isber erste
Gedichte in literarischen Zeitschriften. 1994 erschien sein
erster Gedichtband „šāšāt al-tarīkh“
(dt. „Leinwände der Geschichte“). Dem folgten
1995 der zweite Gedichtband „mīthāq al-mawğ“
(dt. „Der Akkord der Wellen“) und weitere Werke.
Ungeachtet seiner beachtlichen Anfänge als Autor sieht
sich Osama Isber noch immer auf der Suche nach seiner Identität
als Schriftsteller und Intellektueller. Sie findet ihren Ausdruck
in einer regen schriftstellerischen Tätigkeit.
Akram Mussalam, geboren 1971 in Palästina, studierte
Arabische Literatur an der Universität Birzeit beiRamallah.
Neben seinem ersten Roman „ hawağis al-Iskander“
(dt. „Die Gedanken des Alexander“), 2003, mit
dem er bereits den Sprung in den Kreis der vielversprechendsten
jungen palästinensischen Autoren geschafft hat, verfaßte
Musallam auch Gedichte, sowie eine ganze Reihe von Artikeln
und Berichten für palästinensische und arabische
Zeitungen und Zeitschriften. Akkram Moussalla ist Chefredakteur
der palästinensischen Zeitung Al-Ayyam.
Die deutschen Stadtschreiber
Steffen Kopetzky , geboren 1972 in Oberbayern, lebt und arbeitet in Hamburg. Bisher hat er drei Romane verfasst: „Einbruch und Wahn“ (Volk und Welt 1998) sowie „Eine uneigentliche Reise“ (Volk und Welt 2002). Sein jüngstes Buch „Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication“ ist 2002 im Eichborn Verlag erschienen. Neben seiner Tätigkeit für Hörfunk, Theater und verschiedene überregionale Zeitungen ist er Künstlerischer Leiter der Biennale Bonn. Auszeichnungen und Preise: Hans-Magnus-Preis der ARD, Preis des Landes Kärnten in Klagenfurt, Carolinenpreis für Journalismus, Else-Lasker-Schüler-Preis für Dramatik.
Ulla Lenze ist 1963 in Mönchengladbach geboren. Sie studierte Musik (Hauptfach Klavier) und Philosophie in Köln. 2002 war sie Stipendiatin der Autorenwerkstadt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin. Für ihren Debütroman „Schwester und Bruder“ (DuMont-Verlag, 2003) erhielt sie den Rolf-Dieter-Brinkmann-Förderpreis der Stadt Köln, den Jürgen-Ponto-Preis 2003 für das beste Romandebüt und beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb den Ernst-Willner-Preis 2003.
Norman Ohler , 1970 in Zweibrücken/Oberpfalz geboren, besuchte die Hamburger Journalistenschule und arbeitete für Stern, Geo und Spiegel. Von 1993 bis 1995 hielt er sich in New York auf, wo sein erster Roman „Die Quotenmaschine“ entstand und zuerst als Hypertext im Internet publiziert wurde. Der erste Online-Roman weltweit ist im Printformat 1996 bei Hoffmann & Campe erschienen. 1999 erhielt er den Martha-Saalfeld-Preis. 2001 erschien sein Roman „Mitte“ (Rowohlt Berlin) und 2002 „Stadt des Goldes“ (Rowohlt). Norman Ohler ist seit Oktober 2002 Kolumnist der ZEIT und lebt in Berlin und New York.
José F.A. Oliver ist 1961 als Sohn andalusischer Eltern in Hausach im Kinzigtal (Schwarzwald) geboren, studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Freiburg i.Br. 1989 erscheint sein erster Lyrik-Band „Auf-Bruch“, dem weitere Lyrikveröffentlichungen folgten. Seine letzten zwei Gedichtsammlungen „fernlautmetz“ (2000) und „nachtrandspuren“ (2002) sind in der edition suhrkamp erschienen. 1997 ist er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet worden, der jährlich von der Robert-Bosch-Stiftung und der Akademie der Schönen Künste in München verliehen wird.
Hans Pleschinski wurde 1956 in Celle geboren, studierte Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft in München. Er arbeitete für Galerien, die Oper und den Film. Seit 1985 ist er Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk und lebt als freier Autor in München. Er schrieb u.a. die Bücher „Nach Ägypten“ (1985, Haffman 1994), „Briefwechsel Voltaire-Friedrich der Große“ (1992, dtv 2004), „Spanische Novelle“ (Edition Epoca, 2000) und „Bildnis eines Unsichtbaren (Hanser 2002). Preise und Auszeichnungen u.a.: 1986 Staatlicher Förderpreis für Schriftsteller in Bayern, 1990 Stipendium des Deutschen Literaturfonds, 1991 Literaturstipendium der Stadt München, 1995 Tukan-Preis der Stadt München für den Roman „Brabant“, 2002 Tukan-Preis der Stadt München für den Roman „Bildnis eines Unsichtbaren“.
Silke Scheuermann , geboren 1973 in Kralsruhe, lebt in Frankfurt am Main. Sie studierte Theater- und Literaturwissenschaft in Frankfurt, Leipzig und Paris. Bislang veröffentlichte sie neben Kritiken Gedichte und Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien. „Der Tag, an dem die Möwen zweistimmig sangen“ (Suhrkamp) ist ihr Debüt. Preise und Auszeichnungen: Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt 2001, Literaturstipendium Lana 2003.
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